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Verursacherprinzip statt kurzfristiger Reparaturlösungen

Spurenstoffe und multiresistente Keime sind Schwerpunktthema auf dem 5. LDEW-Abwassertag

Mainz, 29. August 2018 – Der 5. LDEW-Abwassertag, der am heutigen Mittwoch in Mainz stattfindet, kommt um ein Thema, das aktuell die Abwasserentsorger aber auch viele Kommunalpolitiker und Bürgerinnen und Bürger in Hessen und Rheinland-Pfalz beschäftigt, nicht herum: Spurenstoffe und multiresistente Keime in unseren Gewässern.

Auf dem Branchentreff in Mainz werden dabei unterschiedliche Facetten der Thematik beleuchtet: der Dialogprozess zur Entwicklung einer bundesweiten Strategie, die bereits fertige Strategie für das Hessische Ried und die Möglichkeiten und vor allem Grenzen weiterer Reinigungsstufe auf Kläranlagen.

„Spurenstoffe und multiresistente Keime auf Kläranlagen aus dem Abwasser zu entfernen, ist - wenn überhaupt in größerem Umfang möglich - enorm aufwendig und energieintensiv“, erklärt Horst Meierhofer, Geschäftsführer des LDEW Hessen/Rheinland-Pfalz. „Die Abwasserwirtschaft darf nicht als Reparaturbetrieb für die Versäumnisse der Verursacher missbraucht werden: Wenn wir nicht an der Quelle ansetzen, sprich die Hersteller von Produkten wie Medikamenten oder Industriechemikalien in Verantwortung nehmen, und die Verbraucher und Anwender nicht für einen umweltgerechten Umgang sensibilisieren, dann bekommen künftige Generationen die Quittung, sobald die technischen Möglichkeiten auf Kläranlagen an Ihre Grenzen stoßen. Eine 4., 5. und 6. Reinigungsstufe auf Kläranlagen gibt uns lediglich ein Alibi, um die eigentlich notwendigen, aber vielleicht politisch unangenehmeren Maßnahmen nicht angehen zu müssen.“

Zumal die Eintragspfade z.B. von multiresistenten Keimen in Umwelt und Gewässer enorm vielfältig sind. „Hotspots für multiresistente Keime sind z.B. Krankenhäuser und Flughäfen, also überall dort, wo sich Erreger unterschiedlicher Herkunft vermischen und dadurch weiterentwickeln können“, erläutert Meierhofer, „Dazu kommen flächendeckende Eintragspfade wie Hunde, Katzen oder andere Haustiere und der Mensch selbst, denn schätzungsweise 10% aller Deutschen tragen multiresistente Keime in sich. Und nicht zuletzt bilden Keime Resistenzen auch durch den massiven Einsatz von Antibiotika in der landwirtschaftlichen Tierhaltung aus.“

Vor diesem Hintergrund fordert die Abwasserwirtschaft die Politik zum Handeln nach dem umweltrechtlich vorgeschriebenen Verursacherprinzip auf. „Wenn man schon punktuell Kläranlagen mit zusätzlichen Reinigungsstufen ausstattet, dann müssen wenigstens die Kosten hierfür verursachergerecht verteilt werden. Der Hersteller sowie der Nutzer bzw. Anwender einer Chemikalie oder eines Medikaments sind die Verursacher, nicht der Anwohner, der zufällig an einer der betroffenen Kläranlagen angeschlossen ist“, so Meierhofer abschließend.

 

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